Die Welt ohne uns
Botanisches Langzeittheater
Regie: Tobias Rausch + Ausstattung: Kirsten Hamm + Musik: Matthias Herrmann
Garten-Entwurf: Johannes Böttger (Institut für Landschaftsarchitektur, Universität Hannover) + Dramaturgie: Aljoscha Begrich
Recherche-Mitarbeit: Eva-Maria Reimer + wissenschaftliche Beratung: Joachim Tantau + Produktionsassistenz: Anne-Stine Peters
Es spielen:
(Akt I) Veronika Avraham, Florian Hertweck sowie Mitglieder des Jungen Schauspiels Hannover
(Akt II) Florian Hertweck, Nadja Petri
In Kooperation mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover und dem NDR "19:30 - Das Magazin"
Mit freundlicher Unterstützung durch IGP AG, Grünflächenamt der Stadt Hannover, GALABAU, Blumen Hoffmann, Baumschule Gehlhaar, Schulbiologiezentrum Hannover
Schirmherrschaft: Stephan Weil, Oberbürgermeister von Hannover
Erster Akt - das Abschiedsfest 16. - 19. Mai 2010, Schauspiel Hannover
Zweiter Akt - Fortpflanzen 18. - 21. Juni 2010
Dritter Akt - Wachsen oder Weichen Ende Oktober 2010
Weitere Akte bis in die Saison 2014/15
Wenn wir so weiter leben wie bisher, werden wir bald verschwinden.
In einem rahmensprengenden Langzeittheater nimmt sich lunatiks produktion der Frage an, wie sich die Welt ohne den Menschen weiterentwickeln würde, und entwickelt eine Theaterform mit echten Pflanzen als Darstellern. Die Arbeit blickt voraus in ein post-anthropologisches Zeitalter, in der Zukunft unseres Planeten, in der die Relikte unserer Zivilisation allmählich zerfallen und Pflanzen den Lebensraum des Menschen zurückerobern. Ein botanisches Theater als Antwort auf die Selbstgefährdungsversuche des Menschen. »Die Welt ohne uns« ist eine Inszenierung, die sich auf den Rhythmus ihrer Hauptfiguren einstellt und sich daher über mehrere Jahre erstrecken wird. Die Zuschauer werden jedoch nicht ständig Zugang zu dem Ort haben, sondern die Entwicklung im Abstand von drei Monaten in einzelnen Akten erleben. Jeder Besuch steht unter einem anderen Themenschwerpunkt, der auf einen Aspekt des Lebens der beobachteten Pflanzen fokussiert und in dem die Geschichten und Dramen der einzelnen Individuen dieser Pflanzenwelt inszeniert werden. Durch die Dauer des Projekts werden die zeitlichen und globalen Dimensionen, mit denen wir es angesichts von klimatischen und ökologischen Herausforderungen zu tun haben, sinnlich erfahrbar und die langfristigen Folgen unseres kurzsichtigen Handelns spürbar.
Die Aufführung findet an einem geheimgehaltenen Ort im Stadtgebiet Hannover statt, zu dem das Staatstheater die Zuschauer geleitet. Um eine langanhaltende Beziehung zu den Pflanzen aufzubauen, ist diese Veranstaltung in einem speziellen Abonnement zu besuchen. Der Kauf eines Abos berechtigt zum Besuch sämtlicher Akte des Stücks in den Jahren 2010 bis 2015.
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Akt I: Das Abschiedsfest
(Mai 2010)
Die Menschen nehmen Abschied vom Planeten Erde. In über 8.000 Jahre gemeinsamer Geschichte hat sich der Mensch die Natur zum Garten kultiviert. Sie haben viel zusammen erlebt - von der Vertreibung aus dem Paradies über die hängenden Gärten von Babylon bis zur Erfindung des Gewächshauses: die Pflanzen sind zum Handelsgut geworden. Während des Tulpenrausches von 1637 erlebte Europa seinen ersten Finanzcrash. Und bis in die Gegenwart hinein durchstöbern Pflanzenforscher die letzten Winkel des Planeten auf der Suche nach geheimnisvollen Pflanzen mit wundersamen Eigenschaften.
Der erste Akt des botanischen Langzeittheaters feiert diese Geschichte des Gartens mit einem Gartenfest. An mehreren Stationen können die Besucher an einer Tulpenbörse spekulieren (und verlieren) oder im "Garten der Gene" lernen, wie man Blumen künstlich bestäubt. Sie können sich im "Zen-Garten" mit Pflanzen massieren, sich im "Apothekengarten" über Kräuter und ihre mysteriösen Eigenschaften beraten lassen oder an einer "Pflanzensafari" teilnehmen. Am "Pflanzengrill" gibt's geröstete Lilienblüten und aus der "Pflanzenjukebox" kommen die größten Pflanzenhits der letzten 200 Jahre.
Höhepunkt und Ende des Gartenfestes ist die Sinfonie der Rasenmäher, in welcher die Menschen noch einmal das mit der Natur machen, was sie am besten konnten: beschneiden, rasieren, zurechtstutzen. Danach bleibt der Planet allein zurück und die Zeit nach Ende der Menschheit hat begonnen.
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Akt II: Fortpflanzen
(Juni 2010)
Wie sieht ein Pflanzen-Pornofilm aus? Warum ist die Zucchini ein Transvestit? Wie sieht Gruppensex bei Nebelkappen aus? - Ein Jahr nach Ende der Menschheit liegt der vom Theater angelegte Garten verlassen da. Das Unkraut ist gewuchert, Müllreste liegen verstreut herum, ein herunterstürzender Ast hat das Gewächshaus zerschlagen. Scheinbar friedlich wächst die Natur. Aber der Schein trügt: was hier passiert, ist reiner Sex. Der Garten gleicht einer hemmungslosen Party. Der zweite Akt erforscht spielerisch das Sexleben der Pflanzen, das hemmungsloser und irritierender ist, als es sich jede menschliche Perversion ausdenken könnte. Angesichts von Schleimpilzen mit ihren 13 verschiedenen Geschlechtern kann jede/r Gender-Theoretiker/in blaß werden.
Protagonist der Folge ist der Rote Fingerhut, der verzweifelt nach Möglichkeiten der Fortpflanzung sucht. Doch ohne die menschliche Hand des Gärtners wird die Entfernung zum nächsten Fingerhut unendlich weit. Und die Hummel, als natürliche Bestäuberin, ist durch die Eingriffe des Menschen - Flurbereinigung, Städtebau, Monokultur - vom Ausstreben bedroht. Welche Chance hat der Fingerhut dann noch auf Sex und Fortpflanzung?
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Akt III: Wachsen oder Weichen
(Oktober 2010)
Fiese Tricks, mafiöse Verstrickungen und kriminelle Pflanzen - die Natur wird zum Gemetzel ...
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Hier finden Sie Kritiken zur Inszenierung.
Hier finden Sie Videobeiträge des NDR über das Projekt und zu den einzelnen Folgen.
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Links:
Staatstheater Hannover - Akt I
Staatstheater Hannover - Akt II
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Wir danken allen Gesprächspartnern, Unterstützern und Sponsoren des Projekts!